Warum Streit ein Beziehungskiller ist und wie es anders geht.

Recht haben oder Lösungen finden? In diesem Artikel erfährst Du, warum destruktiver Streit Gift für Deine Beziehung ist und was Du dagegen tun kannst. Ich zeige Dir Schritt für Schritt wie Du Konflikte mit Deinem Partner lösen kannst, ohne sich gegenseitig zu verletzen. Die Praxis der Lösungsorientierten Beziehungsgespräche ist eine der wichtigsten Ansätze aus meiner Arbeit mit Paaren.


Destruktiver Streit reißt alte Wunden auf.

argument-238529_1920Erinnerst Du Dich an den letzten großen Streit mit Deinem Partner oder einem anderen wichtigen Menschen? Weißt Du noch, wie sauer Du warst, wie wütend oder verletzt? Wie enttäuscht von diesem Menschen, den Du doch eigentlich so liebst? Und vielleicht hast Du sogar selbst so richtig ausgeteilt, hast mal alles rausgelassen was Dich schon lange nervt. Gerecht oder ungerecht- wen interessiert das schon, wenn man erst mal richtig hochgefahren ist- dann geht es meist nur noch darum Recht zu haben, den kritischen Zeigefinger zu erheben, um so die Schuld des Anderen zu beweisen. Denn eins ist klar: Du bist hier das Opfer! Und deshalb hast Du Recht…

Okay, ich hab jetzt ein bisschen übertrieben- aber ich bin sicher, dass Du diese „Aber Du…“ , und „Nie machst Du…“, „Immer muss ich…“ Anklagespiele auch recht gut kennst. Und wenn Du ehrlich bist, geht es Dir in diesem Moment gar nicht mehr darum, Lösungen zu finden. Wenn wir streiten, wollen wir Recht haben, wir kämpfen- und zwar gegeneinander und nicht miteinander.

Nicht immer streiten Paare allerdings so temperamentvoll und lautstark. Manchmal ist es eher ein „kalter Streit“, der mit knappen, sarkastischen Sprüchen einhergeht, oder durch Abblocken, Ignorieren und Distanziertheit Verletzungen hervorruft. Glaube bitte bloß nicht, dass sich anschweigen oder die kalte Schulter zeigen, besser ist als sich lautstark zu streiten. Es ist nur eine andere Spielart, aber genauso destruktiv.

Das Problem nämlich ist immer dasselbe. Es wird keine wirkliche Lösung gefunden, zumindest keine konstruktive. Verdrängen, nachgeben und den Ärger runterschlucken,  oder so tun, als sei nichts ist vielleicht kurzfristig hilfreich. Erst einmal kehrt Beziehungsfrieden ein. Zumindest scheint es so. Langfristig aber kochen die immer selben Probleme in der Beziehung hoch und deshalb auch irgendwann über.

Der Versöhnungssex ist am schönsten

 

Das mag sein, aber es ändert nichts daran, dass nach jedem destruktiven Streit Reste von Verletzungen bleiben, auch wenn die Versöhnung noch so schön war. Man entschuldigt sich vielleicht, verzeiht selbst und doch bleibt da noch irgendetwas zurück, tief innen. Wie Plaque legen sich bei jedem destruktiven Streit kleine Ablagerungen auf die Lebendigkeit der Beziehung. Unmerklich oft entsteht so mit der Zeit eine innere Abhärtung, das Vertrauen bekommt Risse, und irgendwann ist die Beziehung starr und leblos. Das passiert natürlich nicht sofort. Manchmal zeigt sich erst nach Jahren, dass die immer und immer wiederkehrenden gegenseitigen Verletzungen großen Schaden angerichtet haben. Dann hat man längst aufgehört, zu streiten. Bringt ja eh nichts. Resignation ist angesagt, die Kluft zwischen den Partner ist wie ein Krater, groß und scheinbar unüberwindlich. Die Beziehung hat sich abgekühlt.

Beziehungen sterben nicht an mangelnder Liebe- sie sterben an mangelnder Kommunikation

 

Das erlebe ich in der Paarberatung sehr häufig. Es gibt Paare, die seit Jahren nicht mehr über sich selbst und die Beziehung mit Ihrem Partner gesprochen haben. Sie sprechen auch während der Sitzung nicht mit dem Partner, sondern über ihn. Manchmal sogar in der dritten Person. Sie sind soweit entfernt voneinander wie der Mond und die Sterne. Die Körpersprache ist abgewandt. Auf die Frage, was sie noch verbindet, werden die Kinder angeführt, oder das Haus dass man gemeinsam gebaut hat. Auch die Gewohnheit. Das Leben funktioniert halt irgendwie, man lebt nebeneinander her. Ganz normal. Von Liebe, Leidenschaft, gemeinsamer Freude oder Zielen keine Spur. Zweckgemeinschaft. So ist es eben nach vielen Jahren Beziehung. Gemütliche Langeweile.

So muss es aber nicht sein! Genau deshalb ist ja es so überaus wichtig, zu lernen wie man gelingend Probleme lösen kann und wie man miteinander im Gespräch bleibt. Und das Gute daran ist, dass man jederzeit damit anfangen kann.

Ein Paar, dass nicht miteinander spricht, verlernt sich kennen

 

Das Leben ist voller Veränderungen, jeden Tag passiert etwas Neues. Wir begegnen Menschen, wir lernen, wir lassen und inspirieren, wir machen Erfahrungen, ziehen Schlussfolgerungen. Dadurch verändern wir uns jeden Tag ein klein wenig. Es ist kaum zu spüren. Und doch passiert es, jedem von uns.

Nach einigen Jahren Beziehungen denkst Du vielleicht, Du kennst Deinen Partner. In und auswendig sogar, was soll es da Neues geben. Die traurige Wahrheit ist, wenn Du nicht mit Deinem Partner im Gespräch bleibst, verlernt Ihr Euch kennen. Ihr habt kein Update mehr voneinander. Dann lebst Du mit einem Bild von Deinem Partner, dass Du für die Realität hältst, doch damit kannst Du total danebenliegen. Und irgendwann wachst Du auf und staunst, wie weit Ihr Euch voneinander entfernt habt.

Versteh mich nicht falsch, ich möchte keine Beziehungsschreckgespenster an die Wand malen. Aber vielleicht hilft Dir die Erfahrung anderer Paare dabei, genau diesen Fehler nicht zu machen und einfach miteinander reden zu lernen. Deshalb verrate ich Dir jetzt das Geheimnis gelingender Beziehungsgespräche. Wenn Du diese Methode ausprobierst, wird sich etwas in Deiner Beziehung verändern. Das verspreche ich Dir.

Regelmäßige, lösungsorientierte Beziehungsgespräche- so gehts…

 

Alles was ich an Klienten weitergebe, habe ich selbst probiert und für gut befunden. Glaub mir, ich kenne so gut wie alle Beziehungsfallen nicht nur in der Theorie. Und das hilft mir in meiner Arbeit mit Paaren wirklich weiter. Deshalb ist es mir so wichtig, dass Anleitungen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis funktionieren. Aus den wirksamsten, bekannten Methoden habe ich eine Anleitung zusammengestellt, die schon vielen Paaren weitergeholfen hat. Hier kommt Sie:


 

Die Grundlagen:

Regelmäßigkeit ist für Beziehungsgespräche sehr wichtig. Vereinbare mit Deinem Partner einen festenTermin, verabredet Euch so wie früher. Das gilt besonders, wenn Ihr wenig Zeit habt. Dieser Termin ist wichtig. Es geht schließlich um Eure Beziehung. Nehmt Euch ein oder zwei Stunden, in denen Ihr völlig ungestört seid. Am besten einmal pro Woche. Und wichtig: Handy ausschalten!

Begrenzt die Zeit. Gerade für Männer sind Beziehungsgespräche oft anstrengend. Wenn es erst einmal losgeht, scheint das irgendwie nie aufzuhören. Und am Ende ist man(n) doch wieder Schuld! Das höre ich von Männern immer wieder. Auch deshalb ist Struktur wichtig für Beziehungsgespräche. Wenn Ihr mit 20 oder 30 Minuten beginnt, ist das für den Anfang schon genug. Am besten, Ihr stellt Euch einen Kurzzeitwecker.

Einigt Euch auf ein Thema! Wenn Ihr jeweils nur ein Thema besprecht, ist das vollkommen ausreichend. Zu viele Themen lassen die Gespräche ausufern und sorgen schnell für neuen Konfliktstoff.

Vorbereitung ist alles! Nimm Dir vor jedem Gespräch 10 Minuten Zeit und mach Dir in Ruhe ein paar Gedanken zu dem, was Dir am Herzen liegt und was Du gerne sagen möchtest. Wenn Du Dir Notizen machst, geht es noch besser. Erkläre Deine Sichtweise aus der Ich- Perspektive. Keine Vorwürfe, kein verbaler Zeigefinger, keine Anschuldigen. Wie das genau geht, erkläre ich Dir im nächsten Absatz.

Zuhören ist eine Kunst. Wenn einer spricht, hört der andere einfach nur zu. Kein Unterbrechen, keine Kommentare, kein Augenrollen, keine zynischen Bemerkungen. Wenn Dein Partner spricht, hörst Du ihm einfach nur zu. Sonst nichts. Glaub mir, das klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit ganz schön anstrengend. Das wirst Du sicher selbst bald merken.

Verständnisfragen sind okay. Wenn Dein Partner seine Sichtweise erklärt hat, kannst Du ihm sagen, was bei Dir angekommen ist und noch einmal nachfragen, ob Du das richtig verstanden hast. Vielleicht brauchst Du auch noch eine weitere Erklärung, um wirklich zu verstehen was Dein Gegenüber meint.


 

Ablauf

Was ist mir an dem Thema wichtig? Beschreibe das Problem oder Thema aus Deiner Sicht. Wie stellt sich das Ganze für Dich dar? Erkläre Deinem Partner Deine Welt. Glaube nicht, dass Dein Partner doch wissen muss wie Du das siehst. Das stimmt nicht. Es ist Deine Aufgabe, es ihm zu erklären. Welcher Aspekt des Problems hat für Dich die größte Bedeutung. Wie stellt sich das dar? Bleibe dabei in der Ich- Haltung und vermeide den verbalen Zeigefinger.

Das bedeutet für mich, oder: ich frage mich dann, ob: Was bedeutet das für Dich genau? Was denkst Du dann? An was erinnert Dich diese Situation. Wie geht es Dir damit. Welche Fragen stellst Du Dir in so einer Situation? Lass Deinen Partner in Deine Gedankenwelt eintauchen, er hört Dir zu.

Ich fühle mich dann… Wie fühlst Du Dich in der Situation? Was geht in Deinem Innenleben vor? Benenne die leidvollen oder widersprüchlichen Gefühle, die für Dich in der Situation aktiv werden. Bleibe auch hier konsequent in der Ich-Haltung. Sprich von Dir.

Was wünschst Du Dir statt dessen? Formuliere einen Wunsch oder eine Bitte an Deinen Partner in Bezug auf das Thema oder Problem. „Ich wünsche mir, dass…Kannst Du das für mich tun?“ Achte darauf, dass es keine Forderung wird, die Du aussprichst.

Bedanke Dich, dass Dir Dein Partner zugehört hat. Das ist wichtig. Frage Ihn, was bei Ihm angekommen ist. Ergänze vielleicht noch das eine oder andere. Lass es aber nicht in eine Diskussion ausarten. Fasst Euch an dieser Stelle besser kurz.

 

Nun wechselt Ihr die Position. Du hörst aufmerksam zu. Dein Partner beschreibt genau wie Du das Thema nach den genannten Schritten aus seiner Perspektive. Gehe sicher, dass Du alles richtig verstanden hast.

 

– Welche Lösungsvorschläge kannst Du machen? Überlegt Euch jetzt jeder 1 bis maximal 3 Lösungsvorschläge zu dem Thema. Jetzt, wo Ihr Eure verschiedenen Sichtweisen kennt, ist das sehr viel einfacher.

Jeden Vorschlag abwechselnd und einzeln bewerten. Auf einer Skala von 1 bis 10, wenn eins schlecht und 10 ganz wunderbar ist- wie würdest Du diesen Vorschlag bewerten? Stimmt abwechselnd über jeden Vorschlag einzeln ab, und zwar jeder für sich. Wenn der Durchschnitt Eurer Bewertungen über 7 ist, wird er notiert. Alles, was unter dem Durchschnitt 7 ist, sieht eher nach einem faulen Kompromiss aus. Alles unter 5 könnt Ihr getrost vergessen.

Wichtig dabei ist, nicht zu diskutieren und zu argumentieren, sondern intuitiv abzustimmen. Das beugt der Gefahr von neuem Streit vor und ist dennoch sehr wirkungsvoll und stimmig.

 

Wenn alles gut gelaufen ist, habt Ihr jetzt mindestens einen Lösungsvorschlag, mit dem beide gut leben können. Sozusagen eine win-win Situation, anstatt eines faulen Kompromisses. Ihr habt Euch zugehört und verstanden- und das war mit Sicherheit ein sehr eindrucksvolles und intensives Erlebnis. Manchmal entstehen dabei auch sehr berührende, emotionale Momente. Das ist richtig und wichtig. Sich auf diese Weise einander zu öffnen ist sehr bewegend. Wenn es sich gut anfühlt, könnt Ihr Euch während des Gespräches auch an der Hand halten, um die Verbindung zu spüren. Mach Dir bitte keine Sorgen, wenn Momente des Schweigens entstehen. Auch das ist möglich. Meist sind Sie voller Intensität und Gefühl.


 

Die Praxis der Lösungsorientierten Paargespräche ist einfach, aber nicht leicht. Die Schwierigkeit besteht darin, bewusst neue Pfade der Kommunikation zu beschreiten, anstatt in die immergleichen, automatischen Muster zu verfallen. Und wie alles, was wir neu lernen, geht das am Anfang etwas holprig. Deshalb ist es gut, eine Struktur und einen Ablaufplan zu haben. Mit der Zeit merkst Du ganz von allein, dass es einfacher wird. Immer wieder erlebe ich, dass Paare dann die Methode etwas abändern, also für sich passend machen.

Die Wirksamkeit der Lösungsorientierten Paargespräche beruht auf Achtsamkeit, wirklichem Zuhören und einer konsequenten Ich- Ansprechhaltung. Unter anderem habe ich dafür auf die Praxis der „Zwiegespräche“ von Lucas Möller, aber auch auf die Methodik der „Gewaltfreien Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg und der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie von Steve des Shazer und Insoo Kim Berg zurückgegriffen. Alle Quellen findest Du in den Shownotes.

Probier es aus, ich bin gespannt was Du dabei herausfindest. Vielleicht möchtest Du auch Deine Erfahrungen mit mir teilen, darüber würde ich mich wirklich freuen. Gerne kannst Du mir auch schreiben, wenn Du noch Fragen dazu hast.

Ich wünsch Dir auf jeden Fall viel Erfolg. Bis bald,

Deine Claudia Bechert-Möckel

 

Shownotes

Zwiegespräche Lucas Moeller

Artikel zur Praxis der Zwiegespräche

Gewaltfreie Kommunikation ( GFK) von Marshall B. Rosenberg

Lösungsorientierte Kurzzeittherapie Steve de Shazer und Insoo Kim Berg


 

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