Die meisten Beziehungen sterben nicht an mangelnder Liebe, sie sterben an mangelnder Kommunikation (Podcast)

Die meisten Beziehungen sterben nach meiner Meinung nicht an mangelnder Liebe, sie sterben an einem Mangel oder an den Schwierigkeiten der Kommunikation. Sich wirklich verstehen zu können, anstatt Recht haben zu wollen und gemeinsam Lösungen finden ist entscheidend für das Gelingen von Langzeitbeziehungen. Liebe allein reicht nicht, um dauerhaft zusammen froh zu sein. Warum das so ist und wie Du einige der Grundprinzipien gelingender Paarkommunikation sofort für Deine Beziehung anwenden kannst, darum geht’s in diesem Artikel- in der ich auf häufig auftauchende Themen und Fragen rund um Beziehung und Kommunikation eingehen werde. Den Podcast zum Artikel kannst Du hier anhören.


Beziehung Kommunikation

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Ein Paar, das nicht miteinander spricht, verlernt sich kennen. Paare, die Ihre Beziehung durch ständigen Streit zu einem Schlachtfeld gemacht haben oder sich mit Verachtung oder eisigem Schweigen begegnen, tun der Liebe auch keinen Gefallen. Gelingende Paarkommunikation ist das Kernstück jeder guten Paarberatung.

 

Es dreht sich alles in unserem Leben um Beziehung. Wir sind „Beziehungstiere“, wir wollen in Verbindung sein, dazugehören, ein Teil von etwas sein. Das ist eins unserer menschlichen Grundbedürfnisse. Wir alle haben es, auch wenn es mehr oder weniger stark ausgelebt werden kann.

Nur leider kommen wir nicht mit einem Beziehungsführerschein auf die Welt. Wir lernen Beziehung in unserer Prägung am Anfang unseres Lebens und aus den Beziehungserfahrungen unsere frühen Jahre entsteht so eine Art Blaupause davon, wie man das macht, in Beziehung sein. Ich hab schon in anderen Artikeln und Podcastfolgen über die Entstehung unserer Beziehungsmuster ganz ausführlich gesprochen und geschrieben. Mehr dazu kannst Du hier nachlesen .

Nicht alles an unseren erlernten Beziehungsmustern und dem daraus resultierenden Verhalten ist gelingend, wir schleppen da meist auch viel Ballast mit uns herum. Damit stoßend wir dann in unseren Beziehungen an Grenzen, oder anderen vor den Kopf. Wir machen Fehler, na klar. Aber eben nicht absichtlich. Niemand macht mit Absicht seine Beziehung kaputt. Wir tun das, was wir gelernt haben und wir tun es ohne Nachzudenken. Es ist eine Art Automatikmodus.

 

Und wenn das nicht so gut funktioniert, dann machen wir meistens etwas ganz Verrücktes. Wir machen noch mehr von dem, was schon nicht funktioniert hat anstatt etwas anderes. Das hilft natürlich nicht weiter.

 

Eigentlich, und da setzt auch meine Arbeit als Beziehungscoach an, wollen unsere Beziehungsprobleme uns dazu einladen unser geprägtes Beziehungsverhalten genau anzuschauen und zu hinterfragen. Wir können unsere unbewussten Beziehungsmuster verändern und gelingender Beziehungen möglich machen.

Wir können neu lernen. Bis wir alt und grau sind und sterben. Niemand muss im alten Kinder- Karussell seiner erlernten Beziehungsmuster bis ans Ende seiner Tage immer wieder eine neue Rune drehen. Wir können verstehen lernen, was in uns eigentlich in Sachen Bindung und Beziehung steuert und wir können lernen vom Automatikmodus in die Selbststeuerung gelangen.

Wir können Beziehungen aktiv und bewusst gestalten, anstatt in erlernte Rollen zu verfallen und die immer gleichen Probleme herzustellen. Allerdings bedarf das der Bereitschaft, sich selbst und seine Beziehungsmuster und deren Folgen zu verstehen und neue, gelingendere Muster zu erlernen und zu üben. So werden wir in der Lage sein, wirklich gute Beziehungen zu leben, anstatt uns gegenseitig zu verletzen,

Es ist eine wunderbare Aufgabe, Menschen bei diesem Prozess begleiten zu dürfen und auch meine eigenen Beziehungen haben davon auf unglaubliche Weise profitiert.

 

Beziehungen haben eine Art Ökosystem- so ähnlich wie das der Natur. Das bedeutet: Beziehungen folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die ohne unser Zutun existieren.

 

Es spielt keine Rolle, ob wir das akzeptieren oder nicht, ob wir diese Gesetzmäßigkeiten erkennen oder uns danach verhalten- sie wirken immer, völlig unabhängig von unserem Willen. Wir können diese Gesetzmäßigkeiten des Beziehungsökosystems für eine Weile außer Kraft setzen, das ist wahr. Aber es wird auf Dauer immer Wirkung zeigen, genauso wie beim Ökosystem der Natur. Wir können nicht darüber verhandeln. Früher oder später werden wir mit den Konsequenzen leben müssen.

 


Ein Problem, dass auch viele meiner Klienten haben und das sich dann oft so anhört:

Am Anfang waren wir so glücklich, wir haben uns unser gemeinsames Leben so schön ausgemalt, wir waren so verliebt und wir hatten so große Pläne. Aber irgendetwas hat sich mit der Zeit verändert. Wir verlieren uns irgendwie immer mehr. Ich fühle mich unverstanden und ungeliebt, er beachtet mich kaum noch und arbeitet immer mehr. Ehrlich gesagt ist mir das auch gar nicht so unrecht. Dann streiten wir wenigstens nicht. Wir leben aneinander vorbei. Sex haben wir nur noch ab und zu und gemeinsame Interessen sind auch mau. Ich denke so oft darüber nach, wann das begonnen hat und was wir falsch gemacht haben. Ich verstehe es einfach nicht…

Und vielleicht hast Du Dich das auch schon mal gefragt. Warum kommen Beziehungen auf diese Weise in die Jahre, warum wird es so schwierig zusammen, wo es am Anfang locker und leicht war? Warum schleichen sich mit der Zeit immer mehr Probleme ein, steht viel Ungesagtes zwischen einem, entstehen Gräben des Schweigens oder eskalieren heftige Streits? Warum kann es nicht immer wie am Anfang bleiben? Unkompliziert, leicht und einfach nur wunderbar?

Tja, das liegt nun einmal in der Natur von Beziehungen. Sie entwickeln sich und bleiben nie, wie Sie sind. Beziehungen sind dynamisch, lebendig, da bewegt sich etwas. Sie sind alles andere als statisch. Nichts bleibt, wie es ist. Aber das muss gar nichts Schlechtes heißen.

In der Paarberatung verwende ich für das bessere Verständnis dieser Entwicklung gerne folgendes Bild:

 

DER BEZIEHUNGSRAUM

Stell Dir doch mal den Anfang einer Beziehung vor. Sicher erinnerst Du Dich noch daran, wie wunderbar das war. Noch ist alles stimmig und klar und kein einziges Problem belastet die wunderbare Beziehung. Die gemeinsame Zukunft liegt vor unserem Paar. Unser Traumpaar hat sich einen  wunderschönen, liebevoll eingerichteten (Beziehungs-)Raum geschaffen,  in dem es licht und hell ist, alles sorgfältig arrangiert ist und an seinem Platz steht. Dieser Beziehungsraum ist wie eine Art Wohnzimmer, in dem die beiden sich gegenüber stehen. Alles ist hell und freundlich und wunderbar arrangiert, alles ist an seinem Platz und genau so soll es bleiben. Da sind sich unsere beiden sicher.

Aber natürlich bleibt es so nicht, denn das Leben ist nicht statisch. Es verändert sich, es verändert uns, es ist in Bewegung.

Bald schon bringt uns das Leben ein Problem ins Haus. Das kann ein Thema sein, dass von außen auf uns zukommt und das wir zusammen lösen müssen, oder auch eine Meinungsverschiedenheit.

Zwangsläufig gibt es auch in den harmonischsten Beziehungen irgendwann  ein Thema, bei dem man nicht mehr einer Meinung ist. Das ist vollkommen normal, denn wir sind zwei Menschen in einer Beziehung und bleiben das auch. Unterschiedliche Ansichten, Erfahrungen, Bedürfnisse. Darum kommen wir nicht herum. Wir werden das Problem lösen müssen.

Das Leben bringt uns also ein Problem vorbei, und stellt es wie einen Müllsack zwischen Dich und Deinen Partner, mitten in den schönen  Beziehungsraum. Was machen wir jetzt damit?

Wenn wir nicht gut gelernt haben, mit Konflikten konstruktiv umzugehen und sie zu lösen, versuchen wir vielleicht das Problem zu verdrängen, auszusitzen oder tun so, als ob wir einer Meinung wären.  Das dient vielleicht dem kurzfristigen Harmoniestreben, löst aber den Grundkonflikt nicht auf.

 

Die Konfliktlösestrategien für die Bewältigung von Meinungsverschiedenheiten sind sehr unterschiedlich. In der Regel bringen wir sie aus unseren Herkunftsfamilien mit, ohne dass uns das bewusst ist.

 

Nicht alles, was wir gelernt haben ist auch hilfreich und konstruktiv. Es gibt die Überangepassten, die vor lauter Harmoniestreben dem Partner oder der Partnerin alles recht machen und ihre eigenen Bedürfnisse dafür unterdrücken. Es gibt die Streithammel, die jeden Streit „gewinnen“ müssen. Es gibt Ängstliche, die sich nicht trauen Ihre Meinung zu sagen und die, die immer glauben, dass sie recht haben.

Destruktiver Streit ist dabei einer der größten Beziehungskiller. Wer seinen Partner anschreit, aggressiv wird und dem anderen Tiernamen gibt, ist auf dem besten Wege, die Beziehung nachhaltig zu beschädigen. Das ist den meisten klar. Wenn Du davon betroffen bist, dann höre Dir am besten noch mal die Folge an, die ich bereits darüber gemacht habe. Den Link zum Artikel findest Du hier.

Doch auch Menschen, die alles in sich hinein fressen und nie ein klärendes Gespräch suchen, gefährden ihre Beziehung ebenso wie Streithähne. Denn wer nur auf Harmonie bedacht ist, vergisst oft seine eigenen Bedürfnisse und wird so früher oder später in der Beziehung unglücklich.

Harmonie um jeden Preis ist definitiv nicht gesund. Wer zu oft Ärger runterschluckt oder verdrängt, belastet damit seine Seele und seinen Körper. Und Streit zu vermeiden, wenn eigentlich Klärung angesagt ist, löst das Problem nicht. Denn auch unausgesprochene oder ungeklärte Dinge können sich dauerhaft negativ auf die Stimmung zwischen Partnern auswirken. Die ungeklärten Themen stehen zwischen den Beziehungspartnern wie ein blauer Elefant, den keiner sehen will.

 

Fakt ist: wenn wir keinen gemeinsamen Weg finden, die Konflikte so zu lösen, dass beide mit der Lösung zufrieden sein können, dann bleibt der Müllsack zwischen den Partnern stehen in dem schönen Beziehungsraum. Sie räumen den Müll nicht weg.

 

Und was machen wir stattdessen? Wir fangen an drumherum zu laufen, wir umgehen das ungelöste Thema. WI sehen darüber hinweg, so als wäre es nicht da. Am Anfang der Beziehung ist das nicht so schlimm, wir haben ja genug Platz in unserem schönen Beziehungsraum. Doch das Leben dauert, die Beziehung auch und im Laufe der Partnerschaft nehmen die ungeklärten Themen zu, wenn man Konflikte nicht konstruktiv miteinander lösen und die dabei entstehende Reibung nicht ertragen kann.

Und so kommt es, dass sich mit der Zeit allerhand Ballast in unserem Beziehungsraum ablagert. Es steht mit der Zeit eine Menge zwischen den Partnern  und es wird eng und muffig im Beziehungsraum.

Die Beziehung dauert an und irgendwann türmen sich Berge von unbewältigten Problemen und unausgesprochenen Konflikten auf. Das anzugehen wird natürlich immer schwerer, irgendwann resignieren wir.

Die ganze Situation fühlt sich sehr bedrückend an, eng und unwohl. Irgendwann hält es einer der Partner nicht mehr aus und flieht aus der Situation. Er oder sie nimmt die Fluchttreppe aus dem gar nicht mehr so schönen Beziehungsraum.

 

Kennst Du schon den “Leben-Lieben-Lassen”-Podcast auf Apple Podcasts und Spotify?

 

So ein Notausgang kann eine Fremdbeziehung sein, eine Affäre, eine Liebschaft. Dann fühlt man sich wieder besser, geliebt und wertvoll und die eigentliche Beziehung lässt sich dann paradoxerweise auch besser „aushalten“. Vielleicht denkst Du, ich übertreibe. Aber ich kann Dir versichern, dass das genau das ist, was mir meine Klientinnen und Klienten in der Beratung berichten.

Ebenfalls eine sehr beliebte Fluchttreppe aus dem eng gewordenen Beziehungsraum sind Süchte aller Art. Ob es um Alkohol, Substanzen oder Spielsucht, Pornosucht oder Internetsucht handelt- in Wirklichkeit steckt dahinter oft eine Flucht aus einem undurchdringlich gewordenen Dickicht an ungelösten Beziehungskonflikten.

Seine ganze Energie in die Arbeit zu stecken und bis über die Ohren im Job zu versinken, ist ein weiterer Beziehungsnotausgang. Nicht immer passiert das bewusst. Aber wenn ich viel arbeite, muss ich wenig über anderen nachdenken. Meine Aufmerksamkeit ist bereits von Wichtigerem besetzt. Außerdem erfordert viel Arbeit, dass ich wenig da bin. Wie praktisch, wenn es sich in der Beziehung nicht mehr gut anfühlt.

Übrigens ist auch das ein Grund, warum Corona latent vorhandene Beziehungskonflikte wie ein Katalysator in eine immer schnellerer Dynamik bringt und deutlich werden lässt: Die Kompensationsstrategien brechen weg. Wir sind weniger abgelenkt und mehr auf uns selbst zurückgeworfen.

Irgendwann müssen wir also den angestauten Ärger, Frust und Enttäuschung doch ansprechen, auch wenn es anstrengend ist. Es rächt sich, wenn wir warten bis sich zwischen uns die Problem-Müllsäcke des Lebens auftürmen. Manchmal ist es dann auch zu spät und die Beziehung ist am Ende.

Wir brauchen Mut zur Wahrheit in unseren Beziehungen, echte Gespräche und keine Angst vor Meinungsverschiedenheiten. Den Beziehungsmüll gleich wegzuräumen ist anstrengend, ich weiß das. Das ist aber auf lange Sicht gedacht der beste und einzige Weg, um den Beziehungsraum dauerhaft zu einem Ort zu machen, an dem beide emotional zu Hause sind und sich wohlfühlen.

 

Zusammenfassung/Fazit:

Es ist nie zu spät, gelingende Paarkommunikation zu lernen und es ist wichtig. Denn in jeder,  auch in einer neuen Beziehung kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem das erste Problem zwischen uns steht. Und dann entscheiden wir, ob wir gemeinsam eine Lösung finden oder bald der erste Müllsack in unserem Beziehungsraum steht bleibt, aus dem mit den Jahren ein unüberwindlicher Müllberg entstehen kann, der uns trennt.

 

DAS DILEMMA DER KOMMUNIKATION

Ireen erzählt mir im Kennenlerntermin, dass Sie und Ihr Freund Martin sich wirklich sehr viel Mühe geben über Ihre Beziehung zu sprechen, und die Themen die sie beschäftigen klären wollen. „Aber wir kriegen es irgendwie nicht richtig hin“, gibt Ireen verzweifelt zu. „Es gibt immer wieder den Punkt, an dem es nicht weitergeht. Ich spreche aus, was ich wirklich fühle, ich versuche es so gut wie möglich zu erklären und keine Anschuldigungen zu machen. Trotzdem versteht Martin mich dann total falsch und fühlt sich angegriffen. Schon streiten wir wieder und am Ende muss ich auch noch heulen.“

„Ich weiß gar nicht richtig, was Du von mir willst“ sagt Martin in unserem Gespräch. „Am Ende läuft es doch immer darauf hinaus, dass ich alles falsch mache. Da kann ich mich doch nur zur Wehr setzen. Ich fühle mich überhaupt nicht verstanden!“ Beide schauen ratlos drein…

Diese kleine Szene beschreibt etwas, dass wir alle nur zu gut kennen: das Dilemma der Kommunikation. Die Tatsache, dass das was wir denken und zum Ausdruck bringen, nicht zwingend genauso bei unserem Gegenüber ankommt. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger einer Nachricht einiges verloren geht oder umgedeutet wird. Das Prinzip ist ungefähr das des Kinderspiels „Stille Post“.

Da der Austausch von Nachrichten zwischen mindestens zwei Menschen stattfindet, verändern deren verschiedene Wahrnehmung der Situation, ihre individuellen Ansichten und Erfahrungen die Bedeutung des Gesagten so stark, dass sich die Interpretation des Inhalts verändern kann.

Ein Oldscool- Bespiel, dass wir aus einem Loriot-Sketch zu sein scheint, geht so:

„Mir ist kalt“, sagt die Frau zu Ihrem Mann, als beide abends gemeinsam auf dem Sofa sitzen und Fernsehen. Der Mann geht zum Thermometer und sieht nach. „Es sind einundzwanzig Grad, das ist nicht kalt.“ Er setzt sich wieder hin. Seine Frau sieht ihn enttäuscht an und sieht total traurig aus. „Was habe ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?“, fragt er sich und starrt in den Fernseher. „Ich bedeute ihm gar nichts“, denkt die Frau, die sich eigentlich etwas Zuwendung oder ein Gespräch gewünscht hatte.

Beide fühlen sich unverstanden, ein typisches Kommunikationsmissgeschick, dass uns allen andauernd passiert. Um die Wahrscheinlichkeit des Verstandenwerdens und Verstehens zu erhöhen, ist es sinnvoll als Sender der Nachricht davon auszugehen, dass die Missverständnisrate recht hoch ist und sich entsprechend genau auszudrücken.

 

Niemand kann raten, was wir meinen, wenn wir es nicht oder nur ungenau sagen. Während wir glauben, dass wir unsere Absicht beim Sprechen mittransportieren, lassen wir diese meistens weg.

 

So kommt mitunter nur ein Teil der eigentlich mitgedachten Botschaft an. Wir lassen aus Versehen etwas weg. Unser Gegenüber aber, der oder die es mitunter mit einer „halben“ Botschaft zu tun hat-, fügt jetzt zum Gehörten noch etwas hinzu: die eigenen Interpretation des Gehörten. Der Empfänger der Nachricht stellt eine Vermutung in seinem eigenen Kopf darüber an, was das Gesagte bedeuten soll. Die Schwierigkeit dabei ist: beides, also die eigentliche Absicht des Senders kann von der Vermutung des Empfängers sehr weit entfernt sein.

Als Empfänger der Nachricht lohnt es sich deshalb nachzufragen, ob man sein Gegenüber richtig verstanden hat. Da wir alle ständig und immer Sender und Empfänger sind, brauchen wir beides.

Um sich das deutlich vor Augen zu führen, eignet sich ein Zitat des Kommunikationsforschers Konrad Lorenz, der das Kommunikationsdilemma wie folgt zusammenfasst:

„Gesagt ist noch nicht gehört,

gehört ist noch nicht verstanden,

verstanden ist noch nicht einverstanden,

einverstanden ist noch nicht getan,

getan ist noch nicht beibehalten.”

(Konrad Lorenz)

Dieser Satz hängt an der Tür zu meinem Beratungsraum, als Erinnerungsstütze für meine Klienten und auch für mich selbst. Ein Foto davon stell ich für Dich auf Instagram.

Übersetzt bedeutet das: Was ich denke, sollte auch zum Ausdruck kommen. Was ist sage und was mein Gegenüber hört, können zwei verschiedene Dinge sein. Es gibt keine Garantie, dass ich verstanden werde und selbst wenn, muss mein Gegenüber nicht einverstanden sein mit meiner Meinung.

Zwischen Einverstandensein und danach handeln ist ein weiterer Schritt notwendig. Und erst wenn dieser wiederholt werden kann, tritt Beständigkeit ein.

Wenn wir uns im Miteinander unserer Beziehungen an diesem Modell orientieren könnten, wäre vieles einfacher in Sachen Kommunikation. Der Versuch ist es wert.

 

ALLTAGSKOMMUNIKATION VS. DEEP TALK

Es gibt viele Gründe, warum Beziehungen scheitern. Natürlich. Aber wie gesagt: einer  der wichtigsten ist die Art und Weise, wie Paare miteinander kommunizieren.

Stell Dir mal vor, Du gehst in ein Restaurant und beobachtest die Paare an den Nebentischen. Woran erkennest Du die Paare, die schon sehr lange zusammen sind?

Genau! Diese Paare reden nicht mehr miteinander, Sie sind irgendwie verstummt oder sprachlos geworden, oder reden nur über Belanglosigkeiten oder Funktionales, nur nicht über sich, Ihre Gefühle, Ihre Wünsche und Bedürfnisse oder Ihre Beziehung. Man sieht das an einer Art gepflegter Langeweile.

Paare, die erst seit kurzem zusammen sind, suchen dagegen den Augenkontakt, berühren sich, lachen und haben sich jede Menge zu erzählen. Klar, das war in Deiner Beziehung  in der Verliebtheitsphase sicher auch so- und es ist nur verständlich dass das pausenlose Interesse am anderen nachlässt, sobald man sich besser kennt. Aber muss das heißen, dass man sich gar nichts mehr zu sagen hat? Nein, ein Paar das nicht miteinander spricht, verlernt sich kennen.

Sicher gibt es viele Dinge, die man jeden Tag mit dem Partner zu besprechen hat: Wer den Geschirrspüler ausräumt, wer die Kinder zum Training fährt, den Einkauf erledigt oder wohin ihr das nächste Mal in den Urlaub fahren wollt. Aber das sind nur rein sachliche, organisatorische Themen, sie sagen nichts über die beiden Menschen selbst aus und deren innere Befindlichkeit.

Deshalb lohnt es sich in Langzweitbeziehungen mal ganz ernsthaft zu hinterfragen:

Wann habt Ihr das letzte Mal von Euch selbst gesprochen, von Euren Wünschen, Zielen, Träumen? Von all dem, was Euch tief innen bewegt, was Euch begeistert, interessiert oder auch verletzt? Wann hast Du Dir das letzte Mal wirklich Zeit genommen, Deinem Partner oder Deiner Partnerin genau zuzuhören- Ihn oder sie zu fragen, wie es Ihm oder ihr jetzt in diesem Moment wirklich geht?

Und wann habt ihr das letzte Mal über Ihre Beziehung gesprochen. Und dabei meine ich nicht die tausend alltäglichen Themen, die sich um Abläufe und Zuständigkeiten drehen- ich meine die Gefühle füreinander, wie Ihr über Eure Beziehung denkt, was Euch ärgert oder freut, was Ihr Euch vielleicht wünscht, was Euch freut oder ärgert, welche Bedürfnisse Ihr haben? Wann habt Ihr das letzte Mal über Sex gesprochen? Das ist Deep Talk, der echte Verbindung und Nähe schafft.

Vielleicht denkst Du jetzt: „…ach was, ich kenne doch meine Frau oder meinen Mann auswendig nach all den Jahren! Ich weiß genau, was er denkt und fühlt. Was soll man da noch groß reden.“

Genau das ist eine der größten Beziehungsfallen überhaupt! Unmerklich entsteht so ein Riss zwischen den Partnern, der sich zu einer Kluft ausweiten kann. Irgendwann lässt die sich nicht mehr überbrücken, obwohl beide äußerlich offenbar perfekt funktionieren.

Mein Tipp für Langzeitpaare: Nehmt Euch doch mal wieder bewusst Zeit nur zu zweit, so wie am Anfang Eurer Beziehung. Sprich ein Thema an, das Dich schon lange bewegt. Rede von Dir, über Deine Gedanken, Gefühle, Deine  Sichtweise , Deine Ängste und Sorgen. Frage Deinen Partner oder Ihre Partnerin, was sie oder er denkt und fühlt. Wie es ihm oder ihr damit geht. Und höre einfach nur zu, ohne zu bewerten oder zu kritisieren. Das klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht…aber es lohnt sich, dieses echte Interesse. Es stärkt die Verbindung, ohne dass ihr immer einer Meinung sein müsst. Das größte Geschenk, dass wir einem anderen Menschen machen können, ist uns wirklich für ihn zu interessieren. Und alle Menschen teilen ein Bedürfnis: sie wollen gesehen und verstanden werden, so wie sie sind.

Eine gute Anleitung für solchen Beziehungs Deep-Talk bietet die Beziehungs-Kiste. Die Box enthält eine ganze Reihe Karten mit all den Fragen, die man schon immer mal vom anderen wissen wollte und nie zu fragen wagte. Wie bei einem Spiel kann man Karten ziehen und sich ein Thema aussuchen, über das man reden möchte. Meine Klienten haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ich kann die Beziehungs-Kiste nur empfehlen. Hier der Link zum Produkt.

 

FAULE KOMPROMISSE

Kommen wir zu einem anderen Phänomen, dass ich sehr oft antreffe in meiner Beratungsgesprächen mit Paaren- die faulen Kompromisse. Wenn Du nochmal an den Anfang dieses Artikels zurückdenkst, als ich über den Beziehungsraum gesprochen habe? Da ging es um die gelingenden und weniger guten Konfliktlösestrategien. Faule Kompromisse gehören definitiv zu den letzteren. Sie haben eine gute Absicht, bringen auch kurzfristig Ruhe, sorgen aber langfristig für gigantisch sich auftürmende Probleme. Und weil mir dieses Thema so oft begegnet, kann ich gar nicht oft genug darüber sprechen:

Dass es in Beziehungen Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gibt, ist das Normalste von der Welt. Das liegt schon allein darin begründet, dass ein Paar aus zwei Menschen besteht. Das bedeutet, dass jeder Partner eine eigene Sicht auf die Welt, auf sich selbst und auf die Situation hat, dass seine oder Ihre Prägungen ganz individuell sind und auch der Umgang mit Konflikten einem ganz persönlichen Muster folgt. Da können schon mal Welten aufeinanderprallen, wenn man aus zwei völlig verschiedenen Positionen auf ein und dasselbe Thema blickt.

Und obwohl das eigentlich vollkommen normal sein sollte, dass zwei Menschen auch zwei Ansichten oder Meinungen über etwas haben können, ist genau dieser Umstand einer der größten Stolpersteine in vielen Beziehungen.

Viele Menschen verstehen es als Angriff auf sich selbst, wenn der Partner oder die Partnerin es wagen, nicht mit Ihnen einer Meinung zu sein. Und dann beginnt der Kampf um das richtige „richtig“, wie ich das scherzhaft in der Paarberatung nenne. Der Andere muss mit allen Mitteln von der eigenen Meinung überzeugt werden. Es geht dann schlicht um die Frage, wer von beiden Recht hat.

Eine Einigung wird erzwungen, unter allen Umständen. Und wir sind sehr einfallsreich in der Wahl unserer Mittel. Es gibt Menschen, die wahre Überredungskünstler sind und Ihren Partner mit Argumenten zuschütten, bis dieser hilflos die Segel streicht und nichts mehr zu erwidern weiß.

Andere Menschen verhalten sich bockig oder zickig, manche üben Macht und Druck aus, um sich am Ende durchzusetzen. Es gibt die sturen Bestrafer, die sich in eisiges Schweigen hüllen, bis der andere nachgibt. Es gibt die, die dann einfach Ihr Ding machen und Entscheidungen treffen, ohne den anderen einzubeziehen. Und es gibt die Überangepassten, die nachgeben um des lieben Friedens willen, auch wenn sie sich innerlich verweigern.

Kurzfristig sieht das nach einer Lösung aus. Langfristig können diese faulen Kompromisse die Beziehung zerstören. Denn wenn einer der beiden Partner Recht hat, dann heißt das ja auch: der andere ist im Unrecht, sieht alles falsch oder versteht nichts. Langfristig wird das zu einem Riesenproblem in der Beziehung, weil sich immer einer von beiden nicht verstanden, gesehen oder ernst genommen fühlt. Das Kräfteverhältnis ist verschoben. Irgendwann verzeiht man dem anderen das ewige Rechthaben nicht mehr, Resignation tritt ein, die Liebe geht verloren.

Der Ausweg aus diesem Dilemma ist die Fähigkeit, die Meinung des Anderen aushalten zu können. Ich arbeite mit meinen Klienten an wichtigsten Voraussetzung für gelingende Konfliktlösestrategien: der Grundannahme, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, auch wenn Sie mir nicht gefällt. Auf diese Weise zeige ich Achtung und Respekt und sehe mein Gegenüber auf Augenhöhe. Es gibt zwei Menschen, mit zwei Meinungen und beide haben aus Ihrer eigenen Sichtweise heraus, also in Ihrer eigenen Logik, recht.

Ich kann niemanden zwingen, sein „richtig“ für mich aufzugeben. Aber ich kann mich für die Sichtweise interessieren, erfragen welche Motivation und welche Bedürfnisse dahinterliegen. Dieses echte Interesse löst oft schon die Kampf- und Abwehrhaltung zwischen den Partnern auf. Und meistens setzt ein großes Staunen ein, wenn die Gedanken und Gefühle meines Gegenübers hinter der Meinung deutliche werden.

Ist dieser Schritt gelungen, kann man über Lösungsvorschläge reden und verhandeln. Ein wichtiger Schritt, den ich eine „dritte Lösung“ nenne. Eine sehr gute Anleitung zu einem lösungsorientierten Beziehungsgespräch findest Du in diesem Artikel.

Bis zum nächsten Mal, herzlichst Deine Claudia


 

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