Wenn ein Paar sich trennt, tut das weh, und zwar beiden. Nur sehen wir meist nur den, der verlassen wurde. Ihm gilt das Mitgefühl, und der andere ist schnell der Böse. Dabei leiden beide, nur ganz verschieden. Und wer das versteht, kann vielleicht sogar verhindern, dass es überhaupt so weit kommt.

Opfer und Täter? So einfach ist es nicht
Eine Trennung gehört zu den schlimmsten Verlusterfahrungen, die wir Menschen machen können. Gefühle werden verletzt, eine Verbindung reißt auseinander, manchmal zerbricht eine ganze Familie. Und kaum ist es passiert, sind die Rollen verteilt: Hier der Verlassene, dort der, der gegangen ist.
Freunde und Familie fangen an, sich zu positionieren. Die eine Seite bekommt Verständnis, Trost und Mitgefühl, die andere Ablehnung und Kopfschütteln.
Ich verstehe das. Wir wollen Ordnung in so etwas Schmerzhaftes bringen. Aber die Einteilung in Opfer und Täter greift zu kurz. Wer sich trennt, tut das so gut wie nie leichtfertig. Meist liegt ein langer innerer Kampf dahinter.
Wie der Verlassene leidet
Wer verlassen wird, fällt in ein emotionales schwarzes Loch. Lähmung, Ohnmacht, der Verlust eines ganzen Lebensentwurfs, und dazu die bange Frage, wie es jetzt überhaupt weitergehen soll. Es dauert, bis man unten aufschlägt und wieder zu sich selbst zurückfindet. Und oft gerät dabei der Selbstwert gewaltig ins Wanken: Was ist falsch an mir? Dieses Leid ist so existenziell, dass es keiner übersehen kann.
Wie der Verlassende leidet
Bei dem, der geht, sieht der Schmerz ganz anders aus. Er beginnt meist lange vor der eigentlichen Trennung. Monate, manchmal Jahre voller Zweifel, Traurigkeit und Resignation. Dazu Schuldgefühle und dieses Zerrissensein zwischen „Ich halte es nicht mehr aus“ und „Ich kann doch nicht einfach gehen“.
Das Tragische ist: Viele machen diesen Kampf ganz allein mit sich aus. Sie sprechen nicht darüber, und damit schließt sich die Tür für eine Veränderung der Beziehung, ohne dass das jemand wollte. Die Trennung ist dann so etwas wie ein Notausgang, wenn alle anderen Türen schon zu sind.
Beziehung ist Wechselwirkung
So schmerzhaft eine Trennung ist, es gibt immer eine Vorgeschichte, an der beide beteiligt sind. Nicht mit Absicht, nicht aus Bosheit, aber beteiligt.
Beziehung bedeutet Wechselwirkung. Beide haben einen Anteil, ob sie das annehmen können oder nicht.
Und genau da liegt auch der Schlüssel, um bittere Trennungen zu vermeiden. Sei ehrlich mit Dir selbst und mit Deinem Partner. Was brauchst Du? Kannst Du das in dieser Beziehung leben? Was fehlt Dir, und was müsste passieren, damit Du Dich wieder zu Hause fühlst? Eine Frage, die ich Paaren gerne stelle: Seid Ihr zusammen mehr als die Summe Eurer Teile, oder seid Ihr miteinander weniger, als Ihr sein könntet?
Redet über diese heiklen Themen, bevor es zu spät ist. Aus meiner Arbeit kann ich Dir sagen: Die meisten Beziehungen sterben nicht an zu wenig Liebe. Sie sterben daran, dass die Menschen darin aufhören, wirklich miteinander zu sprechen. Daran zu arbeiten, lohnt sich, für Euch beide, und manchmal auch für das, was nach Euch kommt.
Und wenn es doch vorbei ist: Du darfst traurig sein, egal auf welcher Seite Du stehst. Beide Seiten verdienen Mitgefühl, auch Deines mit Dir selbst.
Herzlichst, Deine Claudia
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